Maori Neuseeland
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Maori Neuseeland

Maorikultur erleben

Manchmal trifft man durch puren Zufall Menschen, die einem Dinge ermöglichen, die man so nie zu Gesicht bekommen würde. So geschehen in Rawene in der Nähe des Hokianga Harbour im Northland.

Die Gegend allein ist schon sehr geschichtsträchtig, denn einer Maori-Legende zufolge verließ hier der große polynesische Entdecker namens Kupe Neuseeland, um in seine Heimat Hawaiiki zu reisen. Das war angeblich im 10. Jahrhundert. Seitdem wurde diese Bucht „Hokianganui-a-Kupe“ genannt – „der Ort von Kupes großer Wiederkehr“.

James Cook sah den Eingang der Bucht, der auf der einen Seite komplett aus riesigen Sanddünen besteht, ahnte jedoch nicht, dass sich der Hokianga Harbour noch viel weiter ins Land fortsetzte. Das war im Jahr 1770, aber erst 1819 kamen die ersten Europäer von der östlichen Seite her und besiedelten diese Gegend. Im kleinen, beschaulichen Ort Rawene trafen wir auf der Fähre, die kann man nämlich nehmen um den Weg circa 50km abzukürzen (16 Dollar für ein Auto inklusive Fahrer), eine Maori.

Ich weiß nicht genau warum, aber sie kam sofort auf uns zu und erzählte von sich und der Geschichte ihrer Gegend. Sie schien sehr besorgt um uns zu sein und geleitete uns noch bis zum Campingplatz in Rawene.

Am nächsten Tag war es noch nicht einmal 9 Uhr, da hatte sie schon zweimal beim Campsite angerufen und sich nach uns erkundigt. Ihre Adresse und Telefonnummer ließ sie auch gleich da, damit wir sie zurückrufen und ein Treffen vereinbaren konnten. Am Anfang kam uns das schon ein wenig komisch vor, aber da ihr Haus sowieso auf unserem Weg lag, fuhren wir einfach mal vorbei.

Was hatten wir denn schon zu verlieren? Gesagt, getan und am Vormittag brachen wir sozusagen auf ins Ungewisse. Als wir dort ankamen, begrüßte sie uns schon ganz freudig. In den nächsten zwei Stunden fuhren wir durch ihren Heimatort (Whirinaki) und sahen uns die Maraes (am ehesten mit einem Gemeindezentrum vergleichbar) an, wobei sie uns viel über Tradition und Bräuche der Maori erzählte.

Wie man sich verhält, wenn man solch ein Marae betritt, wann es genutzt wird und viele Gesichten aus ihrer Gegend, die manchmal nur Einheimische zu berichten wissen. Zum Abschluss schenkte sie uns noch eine traditionelle Kette, damit wir uns immer an unseren Besuch bei ihr erinnern! Der Anhänger stellt eine Mutter mit einem Kind im Arm dar und dem Brauch zufolge schenkt man die Kette einem Kind, wenn es 5 Jahre alt wird – sozusagen für den neuen Lebensabschnitt, wenn es in die Schule geht.

Die Offenheit, mit der sie uns all diese Dinge berichtete und vor allem auch die Freude und Begeisterung, die sie damit transportierte, waren wirklich beispielhaft. Sie kämpft dafür, dass die Sprache und Tradition der Maori nicht verloren geht und die Leidenschaft für diesen Kampf transportierte sie mit jedem Wort. Eines ist klar: Als normaler Tourist, der in 3 oder 4 Wochen im Eiltempo durch das Land reist, wäre uns dies wahrscheinlich nicht passiert und für diese Erfahrung bin ich überaus dankbar.

Es zeigt nur allzu deutlich, dass durch den Verlust der Sprache und Überformung der Traditionen durch andere Kulturen ein ganzes Volk seine Identität verlieren kann. Nach dieser Erfahrung hat sich mein Respekt vor der Kultur der Maori noch verstärkt.

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