Leben in Neuseeland
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Leben in Neuseeland

Do it your way

Heute habe ich mit meiner Freundin darüber gesprochen, dass unsere Art momentan zu leben, eigentlich ein Privileg ist. Wir sind ziemlich frei von jeglicher Pflicht – jedenfalls frei von den Dingen, die wir in unserem Alltagsleben häufig als solche empfinden und die uns manchmal wenig Zeit für uns selber lassen – Beruf, Termine und die kleinen alltäglichen Sorgen.

Das Leben ist zwar ziemlich einfach, aber im Unterschied zu wirklich armen Menschen, haben wir die Wahl und können uns unseren Lebensstandard aussuchen. Ich bin sehr fasziniert von einigen Menschen, die ich hier treffe. Die Tschechin vom Campingplatz scheint immer so unbeschwert und macht sich keine Gedanken darüber, was als nächstes kommt. Sie reist nur mit ein paar Shirts, einer Hose, kein Geschirr, kein Handtuch, ohne Zelt oder Schlafsack und nur per Anhalter. Es geht alles irgendwie.

Manchmal frage ich mich, wie viel man von dieser mehr „easy-going“ –Atmosphäre mit nach Hause nehmen kann und vor allem, wie lange man sich dies bewahren kann. Ich denke nämlich, dass man in Deutschland schon einiges von der Lockerheit der Kiwis lernen kannJ. Wir werden es sehen.

 

Freunde zu Besuch

Die ersten vier Wochen haben wir in Auckland bei Freunden gewohnt, die nun zu Weihnachten zu Besuch nach Napier kamen. Mittlerweile kennen wir uns schon ziemlich gut aus in der Gegend (Straßenkarten sind nicht mehr notwendigJ) und konnten sie rumführen. In diesem Zug haben wir es endlich mal auf den Te Mata Peak schaffen. Von hier aus hat man einen supertollen Ausblick auf das naturbelassene Tuki Tuki Valley und die geschwungene Küstenlinie von Hawke Bay. Natürlich nicht zu vergessen: Das sehr modern anmutende Gebäude der Graggy Range Vineyard, für die wir gearbeitet haben. Diese liegt inmitten des Tuki Tuki Valleys. Wenn man einen Blick nach Westen riskiert, kann man sogar in der Ferne die Berge des Tongariro National Park erkennen, auf denen immer noch Schnee liegt. Welch ein Widerspruch zu der Hitze, die wir an diesem Tag hatten! Die zwei Franzosen von unserem Campingplatz, die wir wirklich lieben gelernt haben, sind zwei Tage zuvor zum Tongariro National Park aufgebrochen, um eine 3-Tagestour zu machen. Sie waren also dort irgendwo ganz klein in der Ferne. Die zwei wollen fast zur gleichen Zeit auf die Südinsel wie wir, sodass wir uns vielleicht (hoffentlich!!!) wieder treffen!

Unsere leicht chaotische Tschechin arbeitet momentan in Hohepa. Das ist so eine Art Behindertenwerkstatt für Menschen mit Down-Syndrom zwischen Napier und Hastings gelegen. Dort stellen sie Käse aus der Milch von ihren eigenen Kühen her, schreinern einfache Holzmöbel und Holzgeschirr, bauen eigenes Obst und Gemüse an und verkaufen dies alles in einem kleinen Craft Shop. Seit sie dort wohnt und arbeitet werden wir regelmäßig mit frischer Kuhmilch versorgt. Sie schwingt sich gleich nach dem Melken auf das Rad und fährt zu uns ins Camp-frischer geht es nicht!


Back to the roots!

Die Campingplatzküche ist der Treffpunkt schlechthin. Hier kommt man zusammen, um gemeinsam zu kochen, einen Plausch zu halten oder neue Mitcamper kennen zu lernen. Auf die Frage, wie lange denn wir denn schon hier sind – das wird man nämlich häufig von „Neuankömmlingen“ gefragt, was aber wohl schon eine allgemeine Floskel geworden ist – kommen nicht wenig ins Staunen, dass wir bereits schon 5 Wochen in Hawke’s Bay sind. Eine ziemlich lange Zeit, um in Neuseeland an einem Platz zu verweilen. Vorgestern kam dann eine SMS, die uns schließlich dazu gebracht hat, noch ein oder zwei Wochen dran zu hängen. Der Besitzer der privaten Kiwi-Orchard hat uns um Hilfe gebeten, weil er es allein nicht schafft. Jetzt heißt es wieder back to the roots – back to the kiwi fruits!! Die Arbeit ist immer noch dieselbe und gar kein Vergleich zur der “Knochenmühle” Vineyard. Das ist schon mehr easy-going und bedeutet Mindestlohn, ohne schmerzende Muskeln für die nächste Woche.

Die Vineyard, auf der wir gearbeitet haben, wollen wir in nächster Zeit ebenso einen Besuch abstatten, um dort auch mal zu kosten, für was wir uns so angestrengt haben. Einige Locals haben jedoch bereits gesagt, dass die Graggy Range Geld für Weinproben verlangt. Häufig ist Wine testing umsonst, aber da es sich wahrscheinlich um einen edleren Tropfen handelt, muss man auch dafür zahlen. Vielleicht können wir anbringen, dass wir dort gearbeitet haben und können deswegen einen Sonderpreis bekommenJ. Eine Flasche würde ich schon gerne mit nach Hause nehmen, denn so schnell wird es mir nicht vergönnt sein, nochmal auf einem Weingut zu arbeiten.

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